Staatliche Unterstützung für Händler

Der Bundesrat hat am 20.03.2020 ein umfassenden Massnahmenpaket für die Schweizer Wirtschaft vorgestellt. Untenstehend sind alle Massnahmen aufgelistet, die den Schweizer Händlern helfen können. Zudem finden sich zu jeder Massnahme Links mit Zusatzinformationen sowie sofern bereits von den betreffenden Stellen implementiert Antragsformulare.

 

Letztes Update: 09.06.2020, 10:30

Seit 11.05.2020 dürfen alle Händler, unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen, ihre Filialen wieder öffnen.

Händler sollten sich dabei an die folgenden Schutzkonzepte halten: LINK

 

Am 08.06.2020 wurde im Parlament ein Mietzinserlass für Geschäftsmieten um 60% beschlossen. Mehr dazu unter Nützliche Tipps.

Kurzarbeitsentschädigung durch Arbeitslosenversicherung

Fristverlängerung bei Zahlungsrückständen von Geschäftsmieten und Pachtzinsen

Anmerkung: Neuste Regelungen gemäss Aussagen von Bundesrat Parmelin am 27.03.2020, 14:30.

Wem hilft diese Massnahme?

Geschäftsmietern oder Pächtern, die durch die Corona-Bekämpfungsmassnahmen in Zahlungsverzug gekommen sind.

 

Was bedeutet diese Massnahme konkret?

Die gesetzliche Frist für die Zahlung von Geschäftsmieten und Nebenkosten werden neu von 30 auf 90 Tage verlängert. Fristen für Pachtzinsen werden von 60 auf 120 Tage verlängert. Betroffen sind Mieten, Nebenkosten und Pachten, die zwischen 13.03.2020 und 31.05.2020 fällig werden.

 

Gibt es Bedingungen für die Fristverlängerung?

Ja. Behördlich angeordnete Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus müssen die Ursache des Zahlungsrückstands sein.

 

Muss ich überhaupt noch Miete bezahlen, wenn mein Geschäft geschlossen ist?

Hier sollte das Gepräch mit dem Vermieter gesucht werden. Unsere Empfehlungen dazu finden Sie unter "Nützliche Tipps".


Kurzarbeitsentschädigung durch Arbeitslosenversicherung

Kurzarbeitsentschädigung durch Arbeitslosenversicherung

Was ist Kurzarbeit?

Als Kurzarbeit wird die vorübergehende Reduktion oder vollständige Einstellung der Arbeit bezeichnet. Damit sollen temporäre Beschäftigungseinbrüche ausgeglichen werden.

Die üblichen Richtlinien der Kurzarbeit wurden während der Coronakrise zusätzlich liberalisiert. So kann neu auch für Angestellte mit einem befristeten Arbeitsverhältnis, Lernende oder arbeitgeberähnliche Angestellte (z.B. Gesellschafter einer GmbH, welche als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten) Kurzarbeit beantragt werden. Ebenfalls wurden die Wartefristen für die Entschädigungen aufgehoben.

 

Wem hilft diese Massnahme?

Händler mit Angestellten und einem reduzierten Arbeitsbedarf können dadurch Lohnkosten einsparen.

 

Mit welchen Leistungen kann ich rechnen?

(Quelle:

Die Kurzarbeitsentschädigung beträgt 80% des auf die ausgefallenen Arbeitsstunden anrechenbaren Verdienstausfalls. 

Sie wird innerhalb von 2 Jahren während höchstens 12 Monaten ausgerichtet; ein monatlicher Arbeitsausfall von mehr als 85 % ist neu (Bundesratssitzung vom 08.04.2020) für eine unbeschränkte anrechenbar. Ursprünglich war der Bezug auf 4 Monate beschränkt.

 

Ebenfalls seit dem 08.04.2020 neu: Der Kreis der Anspruchsberechtigten für KAE wird auf mehr Angestellte auf Abruf ausgeweitet. Bisher hatten sie, wenn der Beschäftigungsgrad um mehr als 20 Prozent schwankte, keinen Anspruch auf KAE. Jetzt können sie in die Anträge einbezogen werden, sofern sie während mindestens sechs Monaten im gleichen Unternehmen gearbeitet haben

 

Arbeitgeberähnliche Angestellte erhalten eine Pauschale von CHF 3'320 für eine Vollzeitstelle.

 

Die ALV vergütet bei der Kurzarbeitsentschädigung auch den Arbeitgeberbeitrag an die AHV/IV/EO/ALV (vgl. Info-Service Broschüren und Abrechnungsformulare). Der Arbeitgeberanteil an die AHV/IV/EO/ALV beträgt 6.225%.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

(Quelle: Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kanton St.Gallen & )

  • Der Arbeitsausfall muss ausserordentlich und vorübergehend und in der Regel auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sein.
  • Anerkannt werden auch Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere, vom Arbeitgeber oder von der Arbeitgeberin nicht zu vertretende Umstände zurückzuführen sind.
  • Der Arbeitsausfall darf nicht zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin gehören und er darf auch nicht durch branchen-, berufs- und betriebsübliche oder durch saisonale Beschäftigungsschwankungen verursacht werden.
  • Ein Arbeitsausfall ist erst anrechenbar, wenn er je Abrechnungsperiode mindestens zehn Prozent der Arbeitsstunden ausmacht, die von den Arbeitnehmenden des Betriebes bzw. der anerkannten Betriebsabteilung insgesamt geleistet werden.

Ich erfülle alle Voraussetzungen. Wie gehe ich nun vor?

  1. Betroffene Mitarbeiter frühzeitig informieren und von ihnen das schriftliche Einverständnis einfordern (siehe verlinktes Formular Zustimmung Kurzarbeit). Dieses wird in der Voranmeldung vermerkt.
  2. Vor der Einführung der Kurzarbeit muss diese bei der zuständigen kantonalen Amtsstelle vorangemeldet werden (Formular verlinkt). Die ursprüngliche Karenzzeit von 3 Tagen fällt neu weg. Der Hauptsitz des Betriebs bestimmt, in welchem Kanton der Antrag gestellt werden muss.
  3. Nach einem positiven Bescheid kann die Kurzarbeitsentschädigung bei der zuständigen Arbeitslosenkasse eingefordert werden (siehe Formular).

Wie lange muss ich auf einen Bescheid warten?

Die Wartezeit unterscheidet sich je nach Kanton. Die entsprechenden Stellen erweitern gerade ihre Kapazitäten und informieren auf ihren Webseiten über die Bearbeitungszeiten.


Anwendungsbeispiel:

Das Musikgeschäft Maier musste seine zwei Verkaufsfilialen auf die Anordnung des Bundesrates hin schliessen und führt im reduzierten Betrieb den Onlineshop fort. Das 100%-Pensum der zwei Mitarbeiter kann folglich nicht mehr ausgefüllt werden. Besitzerin Maier kann nun Kurzarbeit beantragen und das Pensum ihrer Mitarbeiter für die nächsten 2 Monate auf bspw. je 20% reduzieren. Das reduzierte Pensum (beide arbeiten 80% weniger) wird weiterhin zu 80% vergütet. Die Mitarbeiter erhalten also während dieser Zeit weiterhin 84% (20% der Arbeitgeberin + 80% der verbleibenden 80%) ihres Lohns für ein Pensum von 20%. Der Besitzerin Maier spart erheblich bei den Lohnkosten, da er nun nur noch 20% des Lohns bezahlen muss.



Kredite Corona

Staatlich verbürgte COVID-Überbrückungskredite

Was sind sind COVID-Überbrückungskredite?

Ein Kredit, dessen Ausfallrisiko bis CHF 500'000 vollständig und bis CHF 20 Mio. zu 85% vom Staat gedeckt wird. Das heisst, der Staat leistet die Rückzahlung des Kredits, bzw. 85% des Kredits, wenn der Kreditnehmer zahlungsunfähig ist.

 

Wem hilft die Massnahme?

Soforthilfe für alle Schweizer KMUs, die sich in einer finanziellen Notlage befinden.

 

Mit welchen Leistungen kann ich rechnen?

(Quelle:

Betroffene Unternehmen erhalten Kredite bis zu 10% des Umsatzes oder maximal CHF 20 Mio. Dabei werden Beträge bis zu CHF 500'000 von den Banken sofort ausbezahlt und vom Bund zu 100% garantiert. Höhere Beträge werden vom Bund zu 85% garantiert und setzen eine kurze Bankprüfung voraus. Über die Laufzeit und die Zinskonditionen wird in den kommenden Tagen informiert.

 

Wie hoch sind die Zinsen?

Bei Beträgen bis zu CHF 500'000 werden keine Zinsen erhoben. Bei höheren Beträgen, wo ein Teil des Risikos von den Banken getragen wird, wird 0.5% Zins verlangt.

 

Wie lange sind diese tiefen Zinsen garantiert?

Der Zinssatz kann jählich angepasst werden. Es kann also sein, dass nach einer Laufzeit von einem Jahr die Zinsen steigen.

 

Wie beantrage ich einen solchen Kredit?

Kreditgesuche können über die Website www.Covid19.EasyGov.swiss eingereicht werden.

 

Wie lange muss ich auf den Kredit warten?

Gemäss Aussagen des Bundesrates Ueli Maurer können Kredite bis zu CHF 500'000 noch am selben Tag, innert weniger Stunden, bezogen werden. Sie gelten deshalb als Soforthilfemassnahme. Bei höheren Beträgen ist eine etwas längere Bearbeitungsdauer zu erwarten.

Vergabeprozess des COVID-19-Kredits

kredite corona schweiz

© Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft



Zahlungsaufschub MWST Sozialversicherungen

Zahlungsaufschub von Sozialversicherungsbeiträgen und MWST-Forderungen

Was ist mit dem Zahlungsaufschub gemeint?

(Quelle:

Sozialversicherungsleistungen:
Den von der Krise betroffenen Unternehmen kann ein vorübergehender, zinsloser Zahlungsaufschub für die Beiträge an die Sozialversicherungen (AHV/IV/EO/ALV) gewährt werden. Die Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, die Höhe der regelmässigen Akontobeiträge an die AHV/IV/EO/ALV anpassen zu lassen, wenn die Summe ihrer Löhne wesentlich gesunken ist. Dasselbe gilt für Selbstständige, deren Umsätze eingebrochen sind.

 

MWST-Forderungen:

Die Frist der MWST-Forderungen kann kostenlos und rasch online verlängert werden. Damit kann ebenfalls kurzfristig die Liquidität erhöht werden.

 

Wem hilft die Massnahme?

Soforthilfe für alle Schweizer KMUs, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Sie verhilft zu mehr Liquidität ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen.

 

Wie beantrage ich einen Zahlungsaufschub?

Sozialversicherungsleistungen:

Zuständig für die Prüfung der Zahlungsaufschübe sind die kantonalen AHV-Ausgleichskassen. Die Webseiten der Ausgleichskassen sind unten verlinkt. Gewisse Ausgleichskassen (bspw. SVA Zürich) haben den Prozess vereinfacht, indem sie bis auf Weiteres auf die Erhebung von Verzugszinsen verzichten.

 

MWST-Forderungen:

Direkt via online Formular. Unten verlinkt.

 

Wie passe ich die Akontobeiträge an die AHV/IV/EO/ALV an?

Auch hier sind die AHV-Ausgleichskassen zuständig. Die Antragsformulare finden Sie auf den jeweligen Webseiten (Link unten).

 


Corona Entschädigung für Erwerbsausfall

Erwerbsausfallentschädigung wegen Corona-Massnahmen

Was wird in dieser Massnahme geregelt?

Durch die Massnahmen des Bundesrates zur Bekämpfung des Coronavirus sind viele ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen negativ betroffen. Durch Entschädigungen werden diese negativen Folgen teilweise kompensiert.

 

Wem hilft die Massnahme?

(Quelle:

  • Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Fremdbetreuung der Kinder nicht mehr gewährleistet ist;
  • Personen, die wegen einer Quarantänemassnahme ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen;
  • Selbstständigerwerbende, die einen Erwerbsausfall wegen einer bundesrechtlich angeordneten Betriebsschliessung oder des Veranstaltungsverbots erleiden;
  • Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, deren Engagements wegen den Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus annulliert wurden oder die einen eigenen Anlass absagen mussten.

Mit welchen Leistungen kann ich rechnen?

(Quelle:

Die Entschädigungen werden in Anlehnung an die Erwerbsersatzordnung geregelt und als Taggeld ausgerichtet. Dieses entspricht 80 Prozent des Einkommens und beträgt höchstens 196 Franken pro Tag. Die Anzahl Taggelder für Selbstständige in Quarantäne oder mit Betreuungsaufgaben ist auf 10 respektive 30 befristet.

 

Wie beantrage ich eine Entschädigung?

Zuständig für die Prüfung der Erwerbsentschädigungen sind die kantonalen AHV-Ausgleichskassen. Die Webseiten der Ausgleichskassen sind unten verlinkt.

Corona Entschädigung für Erwerbsausfall

Anwendungsbeispiel:

(Quelle:

 



Erwerbsausfallentschädigung für indirekt betroffene Selbstständige

Was wird in dieser Massnahme geregelt?

Bin anhin konnten nur Selbstständige Erwerbsersatzentschädigungen in Anspruch nehmen, wenn sie direkt von den Corona-Massnahmen betroffen waren (bspw. durch eine angeordnete Ladenschliessung). Viele Selbstständige haben jedoch trotzdem massive Umsatzeinbussen in der jetzigen Situation, obwohl sie weiterarbeiten dürften (bspw. Taxifahrer). Diese können seit 16.04.2020 auch Entschädigungen für diesen Erwerbsausfall beantragen.

 

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

(Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO)

Voraussetzung ist, dass das AHV-pflichtige Erwerbseinkommen höher ist als  CHF 10'000, aber CHF 90'000 nicht übersteigt.

 

Mit welchen Leistungen kann ich rechnen?

(Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO)

Die Entschädigung ist, wie die bereits bestehende Corona-Erwerbsausfallentschädigung, auf CHF 196 pro Tag, also auf CHF 5'880 pro Monat begrenzt. Der Anspruch entsteht rückwirkend ab dem 1. Tag des Erwerbseinbruchs, frühestens ab dem 17.3.2020, und endet nach zwei Monaten, spätestens aber mit der Aufhebung der Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie. Die Ausgleichskassen können unrechtmässig bezogene Leistungen zurückfordern.

 

Wie beantrage ich eine Entschädigung?

Zuständig für die Prüfung der Erwerbsentschädigungen sind die kantonalen AHV-Ausgleichskassen. Die Webseiten der Ausgleichskassen sind unten verlinkt.


Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich zusätzlich bei den zuständigen Stellen über die einzelnen Massnahmen.

Quelle verwendeter Icons: nounproject.com